So schwitzt Europa

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Manche mögen es nackt

Die gefühlt lange Zeit bis zum Frühlingsbeginn lässt sich am besten mit regelmäßigen Sauna-Besuchen überbrücken: Der Kälte trotzen, sich wohlig entspannen und das Immunsystem stärken. Und warum nicht den nächsten (Kurz-)Urlaub mit Schwitzen in der Sauna kombinieren? Doch Sauna-Erlebnisse fallen in Europa ganz unterschiedlich aus und es gilt, gewisse Regeln zu beachten. Denn: Nicht in allen Ländern dürfen ungeniert die Hüllen fallen!

In Finnland wird nackt geschwitzt. Und anders als in den meisten Ländern Europas ist nicht einmal ein Handtuch für die Bank nötig. Frauen und Männer befinden sich dabei aber in getrennten Bereichen. Viele Finnen lieben es zudem, Bier und Apfelwein in der Sauna zu trinken. Gerne werden auch mal Würstchen am offenen Feuer gegrillt. Bis 2010 war das Saunieren sogar sportliche Disziplin in Finnland. Doch nach dem tödlichen Unfall eines Finalteilnehmers (Mit Schmerzmitteln hatte der ambitionierte Russe versucht, der Hitze von 110 Grad länger als möglich zu trotzen) wurden die “Sauna World Championships” eingestellt.

Auch die Russen gehen nackt, zumindest unten herum. Auf dem Kopf wird der sogenannte “Banja”-Hut getragen. Männer und Frauen saunieren oft, jedoch nicht immer strikt getrennt. Damit die Blutzirkulation angeregt wird, nehmen Saunagänger oft Birkenzweige zum “Abschlagen” der Haut mit. In der Vorstube, der “Predbannik”, wird ein Birkenbesen in einer Schüssel mit kochend heißem Wasser so lange eingeweicht, bis ein feines Aroma von Waldluft aufsteigt. Wer in der Stadt auf gut Glück eine erholsame Sauna oder eine Banja findet möchte, sollte vorsichtig sein: Das Schild “Sauna” bezeichnet oft ein erotisches Lokal, das mit dem herkömmlichen Schwitzen nichts gemein hat.

Geschwitzt wird in Schweden nackt oder auch mal mit Handtuch, jedoch immer nach Geschlechtern getrennt. Bei den Schweden gilt die Sauna als Ort zur Pflege der sozialen Kontakte. Bis zu 50 Leute kommen schon mal zusammen – je mehr, desto besser. Auch Geschäfte werden in der Sauna getätigt.

In der lettischen Sauna wird auf ein Handtuch verzichtet. Besucher setzen sich nackt auf ein Holz- oder Plastikbrett und gönnen sich eine Massage mit Zweigbündeln. Wer keine der üblichen Wollmützen trägt, sollte sich jedoch nicht barhäuptig zurücklehnen. Das gilt hier als Fauxpas.

Die Österreicher schwitzen im Adamskostüm. Wer sich zwischen den Saunagängen im Café-Bereich eine Melange gönnt, sollte jedoch einen Bademantel mitbringen. Das österreichische „Sauna-Magazin“ warnt zudem: Keine Selfies oder Fotos in der Sauna!

Die Deutschen halten es wie die Nordeuropäer und gehen nackt in die Sauna. Doch immer mit Handtuch für die Bank, es gilt die Regel “Kein Schweiß aufs Holz”. Frauen und Männer saunieren in der Regel gemeinsam. Oft werden zusätzlich eigene Damen-Saunen angeboten.

Hier bitte nicht ohne!

Wenn es eines in Frankreich nicht gibt, sind es Nackte in der Sauna. Allein die Vorstellung treibt Franzosen die Schamesröte ins Gesicht.

Freizügige Italiener? Nicht in der Sauna. Frauen und Männer schwitzen zwar zusammen, jedoch “bitte nicht ohne”. Lediglich in Südtirol vermischen sich die Saunakulturen durch zahlreiche Urlauber aus dem Ausland und man schwitzt nackt. Die Temperaturen sind mit 70 Grad weitaus niedriger als in der klassischen finnischen Sauna.

Spanier empfinden das gemischte Saunieren fast schon als anrüchig und unpassend. Wenn, dann ist Saunieren nur im Bikini, Badeanzug oder in der Badehose denkbar. Spanier assoziieren das kollektive Schwitzen eher mit Kuraufenthalten und damit kranken Menschen. Öffentliche Saunen sind in Spanien daher kaum verbreitet, auch nur wenige Ferienunterkünfte sind mit Saunen ausgestattet.

Auch im katholischen Polen erfolgt der Besuch von Saunen und Saunalandschaften üblicherweise in Badehose oder Bikini, es sei denn, eine Sauna ist ausdrücklich als textilfrei gekennzeichnet.

Zu einem Eklat in Großbritannien kam es in den 1990er-Jahren, als die deutschen Fußball-Nationalspieler nackt in ihrer Hotel-Sauna entspannten. Die Briten gerieten in helle Aufregung und empfanden dies als Provokation. Die Zeitung “Sun” hetzte gegen den Anblick der hüllenlosen “sausages” der Fußballer. Das Mannschaftshotel “Mottram Hal” hatte sogar erwogen, die Sauna für die deutschen Fußball-Gäste komplett zu sperren.

Infos und Fotos zur Verfügung gestellt von hoildu.de

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