Das schöne Geschlecht

 Frauen in der Männerwelt oder warum alle Männer schwul werden.

“ …weil Deutschland einfach kein Frauenland ist“,  sagte mal eine Freundin zu mir und drückte mir ein Buch in die Hand: „How to be Parisian“.

Das war, als ich mich mal wieder zu dick, zu alt, zu wenig erfolgreich usw. füllte. Meine Freundin selbst ist eine gebürtige Kroatin, die jedoch aus familiären und beruflichen Gründen viel Zeit in Paris verbracht hatte.  Momentan lebt sie in Frankfurt.

Was für eine Männerstadt!

Wenn du jetzt fürchtest, hier geht es um die unterdrückte Frau, kannst du entspannt weiter lesen: Es ist nicht das Thema dieses Beitrags. Es geht eher um die Aussage, dass eine Frau ‚ihren Mann zu stehen‘ hat. Was für ein Widerspruch in sich selbst! Da lachen doch die Hühner 😉

Die Frau von heute steht um halb sieben auf, verabschiedet ihre Kinder, die zum Kindergarten oder Schule gebracht werden. Vielleicht bringt sie die Kids auch selbst hin. Die Kinder dürfen bloß nicht krank werden. Dann arbeitet sie schnell und konzentriert: Telefon, Mails, WhatsApp Nachrichten. Wenn es eine Extraaufgabe vom Chef gibt sagt sie „Ja, kein Thema“. Sie lächelt. Für das Mittagessen gibt es keine Zeit. Raucherpausen sowieso nicht – sie hat ja längst aufgehört.

Gegen 15 Uhr rennt sie zum Kindergarten – Kind 1 abzuholen. Nun schnell Wäsche, Spülmaschine, dann ab zum Spielplatz. Schließlich hat sie dem Kind gegenüber schlechtes Gewissen. Dann schnell das ältere Kind abholen. Zum Glück gibt es Ganztagsschulen. Auf der anderen Seite macht genau das ihr noch ein schlechteres Gewissen…

Nun wird zwischen Kinder, Hausaufgaben und Abendbrot gearbeitet. Zum Glück hat sie ja einen zeitlich so flexiblen Job, sonst ginge es ja nicht mit den Kindern…

Kids im Bett – Zeit für Yoga. Dann eine gesunde Kleinigkeit ohne Kohlenhydrate. Dafür aber ein Glas schweren Rotwein. Dann ist aber auch Schluss. Schließlich muß sie Morgen wieder früh raus. Jetzt geht nur noch Kräutertee.

Sex? Ach dafür gibt es nun wirklich keine Zeit mehr! Stattdessen liest sie Bücher und recherchiert nach Tipps wie sie noch effizienter mit ihrer Zeit, Kraft, Geld und Gewicht haushalten könnte.

Wer treibt sie? Das System, die ‚Männerwelt‘ oder sie selbst?

Die Kommunikationswissenschaftlerin Angela McRobbie sagt über die Frauen von heute:

„Ihre Selbstkontrolle ist strenger als jede Kontrolle von außen. Damit sind sie die perfekten Mitglieder einer neoliberalen Gesellschaft“.

Sie muss es schaffen und schafft es auch! Beruf, Kinder, Haushalt, Termine, Freunde, Liebhaber… Nachts kommt sie nicht mehr runter. Sie hat Angst. Angst davor, einen Warnsignal zu viel überhört zu haben.  Denn sie ist nicht blöd, sie hat die anderen gesehen: Bekannte, die über Monate wegen Burnout verschwanden, Kolleginnen, die wegen anhaltenden Erschöpfung ausfielen, eine Freundin – alleinerziehend, die sich jeden Monat eigenständig in die Klinik eincheckte, um dem Nervenzusammenhang nicht zu erliegen.

Und nun frage ich dich:

Willst du wirklich deinen Mann stehen?

Ich nicht. Ich will eine Frau sein. Und wenn dazu bunte Nägel gehören, dann buche ich mir einen Maniküre Termin. Und wenn ich dazu hohe Schuhe brauche, dann muss die (Männer)Welt nun mal etwas langsamer gehen, weil ich damit nicht joggen kann.

Und wenn ich meinen Schönheitsschlaf brauche, dann ist es besser ich bekomme den auch, sonst leidet mein Umfeld an meiner schlechten Laune.

Ist das egoistisch? Jaaaaaaaa – das genau versuchen uns Männer einzureden. Ist es nicht! Denn gerade die Herren der Schöpfung sind in Wirklichkeit die Herren der Entspannung. Sie beherrschen es, sich beim größten Stress, Zeit für sich selbst zu nehmen. Indem sie sich zum Beispiel hinter ihrer Zeitung versteckten.

Neulich bin ich mit einer Freundin und unseren Kindern zusammen Zug gefahren. Auch ihr Mann war dabei. Nanu, 5 Stunden Zugfahrt mit Kinder standen uns bevor – noch Fragen zum Stressfaktor? Nicht für den Mann unter uns: Er begann die Fahrt mit Kaffee und Zeitung begleitet von den Worten „Wann kommt man schon zum entspannten Zeitungslesen“… Gefolgt vom schlichten Einnicken. Wer hat wohl die ganze Fahrt über mit den Kindern gespielt? Und die Krönungsfrage zum Schluss: „Schatz, warum bist du so unentspannt? War doch eine nette Fahrt.“

Was eine Frau so alles „Muss“ hat der Kabarettist Florian Schröder in 50 Sekunden in der NDR Talkshow auf den Punkt gebracht:

Warum ziehen wir uns diesen Schuh an?

Warum fühlen wir uns minderwertig, ungenügend wenn wir keine 3 Kinder haben oder gar keins? Warum müssen wir genau so viel Geld verdienen wie die Männer? Warum muss unser Haushalt und unsere Figuren perfekt sein?

Ich drehe die Fragen mal um: Warum interessiert es niemanden, dass wir schönes Haar haben? Warum reizt es nicht, dass wir unsere Nägel  schön pflegen? Warum ist ein schwungvoller Highheels Gang beinahe verpönt? Warum ist weibliche Zerbrechlichkeit eine Schwäche?

Ich lebe seit nun fast 30 Jahren in Deutschland. Ich liebe das Land mit seinen Stärken und Schwächen. Ich fühle mich in Deutschland wohl, weiß die Vorzüge des Lebens in Deutschland zu schätzen und möchte auch nicht woanders hin (dauerhaft). Aber ich habe in Deutschland weitestgehend verlernt, eine Frau zu sein.

Der Fokus ist hier irgendwie verrutscht. Es wird von einer Frau erwartet, dass sie wie ein Mann arbeitet (leider nicht verdient!), denkt, fühlt, agiert. Sie wird auch an diesen Leistungen (auch privat) gemessen! Gleichzeitig soll sie ihren ‚weiblichen Alltag schmeißen -ähnlich wie einen Job bewältigen und dann? Dannn gehen die Männer fremd, weil ihre Frauen zu wenig Leidenschaft oder Lust zeigen…

Nun meine Herren: Wenn ihr aus uns Frauen Kerle macht, dann müsst ihr eben alle schwul werden!

Am besten bist Du in dem, was du kannst!

Sei doch mal einfach eine Frau.  Und wenn du gar nicht mehr weißt wie es geht: Fahr nach Italien und ‚glaube‘ einfach an das was du dort über dich hörst. Fahr nach Paris und kaufe dir etwas schönes. Oh ja, das ist sehr gut investiertes Geld!

Zieh doch mal zur Abwechsleung ein Kleid statt Jeans an. Mach eine exzentrische Szene. Dann entschuldige dich und erlaube dir zerbrechlich zu sein. Eins kannst du mir glauben: Was du nicht schaffst, übernehmen Männer für sich. Oder eben Frauen, die glauben, ‚ihren Mann stehen‘ zu müssen…

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